»Großes Kino nach Tatsachen!«
GONG
»Ein düsterer und vielschichtiger Thriller über die Dämonen der Vergangenheit, unbedingt sehenswert«
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Historischer Kontext

Argentinien in den Achtzigerjahren


Die Geschichte des Puccio-Clans ist nur ein Kapitel aus den finsteren Jahren nach dem Sturz von Argentiniens letzter Militärdiktatur. Nachdem sie sich 1976 an die Macht geputscht hatte, war die Militärregierung verantwortlich für die Entführung, Folter und Ermordung von etwa 30.000 „Dissidenten“, die oft spurlos auf immer und ewig verschwanden. Die Diktatur verübte unter dem Deckmantel des Kampfes gegen den Kommunismus und gegen Guerillakriegsführung zahllose Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Zum Staatsterror gehörten auch der Diebstahl von Säuglingen, die entführte Frauen auf die Welt gebracht hatten, die Enteignung und Übernahme der Konten der Opfer und groß angelegte Betrügereien, um auch noch von deren Verwandten Geld zu erpressen. Nach einem gescheiterten Versuch, die Falklandinseln in einer gewaltsamen Auseinandersetzung von England zurückzuerobern, übergab die Diktatur 1983 die Macht im Lande einem demokratisch gewählten Präsidenten.


In ganz Lateinamerika glichen sich die Vorgänge: Fidel Castros Kuba und Präsident Allendes sozialistische Regierung in Chile stellten eine Bedrohung der konservativen Eliten dar, die offen die Militärkräfte bei ihren Bemühungen unterstützten, demokratisch gewählte Anführer in dieser Region zu stürzen.


In Argentinien bildete die Allianz zwischen Militär und Konservativen die Grundlage für ein totalitäres und perverses Regime, das seinen Terror auch bei Tageslicht in aller Öffentlichkeit ausübte.


Der Clan unter Führung von Arquímedes Puccio begann mit seinen Verbrechen in den letzten Jahren der Diktatur und setzte seine schrecklichen Taten dann in den ersten Jahren der langsam entstehenden Demokratie fort. Das Archivmaterial, das in EL CLAN zu sehen ist, gibt einen guten Einblick in das Klima dieser dunklen Tage: von der Rede des Diktators Leopoldo Galtieri, der verkündet, dass das Land den Krieg gegen England verloren hat, bis zur ersten Rede von Raúl Alfonsín, der im Dezember 1983 als Präsident vereidigt wurde. Beide Meilensteine sieht der Zuschauer als Fernsehsendung im Haus der Puccios. Sie markieren die Hinwendung zur Demokratie wie auch den Anfang des Niedergangs des Clans.


Der Übergang von der Diktatur zur Demokratie hing von einer Reihe von Ereignissen ab. Dazu gehören Argentiniens außer Kontrolle geratene Schuldensituation, die die Wirtschaft des Landes zerstört hatte – wie man in einer Diskussion im Radio in Arquímedes’ Auto mitverfolgen kann –, und die Anspannung der Militärs, als sie die Macht abgaben – weshalb sie auch nicht weiter schützend die Hand über die Puccios hielten, die bislang unbehelligt ihren Geschäften nachgehen konnten.


Unmittelbar nach der Machtübernahme ernannte die demokratische Administration eine „Nationale Untersuchungskommission über das Verschwinden von Personen“ (gebräuchliche spanische Abkürzung: „CONADEP“) und ordnete an, dass den Militärführern der Prozess gemacht werden sollte. Alfonsíns Regierung war von Anfang an die Wichtigkeit bewusst, die Verantwortlichen für die Tausenden von Morde zur Rechenschaft zu ziehen und herauszufinden, was mit den Verschwundenen passiert war. Der Abschlussbericht mit dem Titel „Nunca Más“ („Nie wieder“) listete die Gräueltaten gegen die Opfer auf und brachte die Beweise hervor, die nötig waren, um die Militärführer wegen Genozids vor Gericht zu stellen – ein juristischer Vorgang, der sich weltweit als Präzedenzfall erwies.


Die Vorstellung dieses wichtigen Reports sieht der Zuschauer zu Beginn des Films. Er ist die Bestätigung, dass in Argentinien fortan nichts mehr so sein sollte, wie es gewesen war.